Santa Clara & die Legende um Che Guevara

Wenn du nach Kuba reist, kommst du an einem Besuch in dem kleinen Ort Santa Clara nicht vorbei. Hier wurde bedeutende Geschichte für Kuba geschrieben und wie könnte man das heutige Land verstehen ohne sich mit der legendären Vergangenheit von Che „El Commandante“ Guevara zu beschäftigen?!

El Commandante ist nirgends anders im Land so gegenwärtig wie in diesem Ort. Denn in Santa Clara hat er nicht nur Geschichte für Kuba geschrieben, sondern liegt auch hier begraben. Ein absolutes muss auf deiner Kuba Rundreise!

Damit du aber verstehst warum Che im ganzen Land so gehuldigt wird und was das alles mit Santa Clara selbst zu tun hat, musst du vorab ein paar geschichtliche Dinge über Kuba und El Commandante wissen.

Geschichte zu Ernesto Guevara…

… auch bekannt als ‚Che‘ Guevara oder einfach nur ‚Che‘, ist im Jahre 1928 in Rosario/Argentinen geboren. Während seines Medizinstudiums unternahm er Reisen durch Südamerika und schrieb über seine Erlebnisse viele Reisetagebücher. Einiges wurde verfilmt und eignet sich zum besseren Verständnis seines Lebensweges (z.B. „Che Guevara – der Film“ oder „The Motorcycle Diaries – die Reisen des jungen Che„). Vielleicht kannst du vor deinem Kuba Urlaub ja einen Filmabend machen 🙂


Bereits auf seinen Reisen (wie z.B. in Chile) begegnete ihm die wirtschaftliche Ausbeutung durch die USA viele Male. Ende 1953 kommt Ernesto Guevara in Guatemala an, wo die politische Atmosphäre angespannt ist. Kurz darauf lernt er seine spätere peruanische Frau Hilda Gadea kennen. In Guatemala knüpft er engere Kontakte mit Überlebenden des zuvor gescheiterten Putsch-Versuchs in Kuba (Angriff auf die Moncada-Kaserne). Dort sollte der kubanischen Diktator Fulgencio Batista gestürzt werden. Wie eine Marionette durch die USA gelenkt und unterstützt, unterdrückte er die Mehrheit der Landesbevölkerung und beutete diese aus.

Trotz der Abneigung gegen die USA verspürte Guevara sich zu diesem Zeitpunkt noch keiner politischen Sache oder Ideologie verpflichtet.

Amerika wird zum Feindbild von Guevara

Doch während Ernesto Guevara in Guatemala war, wurde er Zeuge eines von den USA organisierten Putsches gegen das Land und seine Einstellung änderte sich. Der guatemaltekische Präsident Jacobo Arbenz Guzman hatte unterstützende Reformen für die Armen des Landes eingeführt (Mindestlohn und Verstaatlichung von Ländereien, welche meist den US-amerikanischen Firmen gehörten). Im Juni 1954 marschierte die USA durch die CIA gesteuert in Guatemala ein und stürzte aus wirtschaftlichen Interessen den Präsidenten. Sie setzten Castillo Armas ins Amt ein, welcher gleichfalls wie eine Marionette die Länderreform zugunsten der USA sofort zurück nahm. Guevara erlebte die Bombenabwürfe und Inhaftierung vieler seiner Freunde mit, schaffte aber die Flucht in die argentinische Botschaft.

Der Wandel von Ernesto Guevara in Che

Statt nach Argentinien zurück zu reisen, beantragte er ein Visum für Mexiko wohin er im September ausreiste. Einige Exil-Kubaner des misslungenen Putschversuchs an Batista, gruppierten sich hier neu um erneut den Sturz des Batista-Regimes zu planen. Darunter auch der Anführer der Rebellen Fidel Castro und sein Bruder Raul Castro, die Guevara hier kennenlernte. Ernesto, welcher nun in den USA den Feind der Welt sah,  schloss sich der Gruppe zunächst als Expeditionsarzt an. Im April 1956 erhielt er eine militärische Ausbildung an der Waffe, womit seine Teilnahme am Guerillakrieg konkreter wurde. Er wollte in die Revolution ziehen und fühlte sich als Patriot mit kommunistischem Hang. Da man im argentinischen Raum häufig „Che!“, also sinngemäß „hey du!“ ruft und er der einzige Argentinier im Bunde war, nannten sie in nur noch Che.

Im Dezember 1956 erreichten mehr als 80 Rebellen mit dem Boot die Küste von Kuba. Doch bereits bei der Anreise lief soviel schief, dass es nur knapp 17 Männer lebendig ins Landesinnere schafften. Darunter Che Guevara und die Castro Brüder.

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Von Alberto Korda – Museo Che Guevara, Havana Cuba, Gemeinfrei, Link

Die Überlebenden Kämpfer formatierten sich neu und dank zahlreicher dazu gestoßenen Mitstreiter konnte die Gruppierung den Guerillakrieg fortsetzen. Guevaras taktischer Überblick und Einsatz veränderten seine Rolle vom Arzt, zum direkten Teilnehmer am Kampf und bescherte ihm eine gefragte militärische Instanz. Im Juli 1957 wurde er zum El Comandante ernannt und wurde neben Comandante en Jefe Fidel Castro zu einer der wichtigsten Symbolfiguren der Geschichte Kubas.

Die entscheidende Schlacht in Kubas Revolution

Ich will dich nicht mit langatmiger Geschichtsstunde aufhalten. Über die legendäre Geschichte Kubas kann man Romane schreiben… auch wenn die es wert sind gelesen zu werden, werde ich nur die bedeutendsten Wendungen mit Hinblick auf die Revolution in Kuba rund um Guevara und der Stadt Santa Clara hervor heben:

Am 29. Dezember 1958 wurde die Stadt Santa Clara unter Che’s Kommando von der Rebellenarmee angegriffen. Zuvor hatte Che am Stadtrand einen gepanzerten Zug der Regierungsarmee überfallen und dessen Waffen erbeutet. Die anschließende Einnahme der Stadt, wie auch der folgende zweitägige Schlagabtausch mit der Regierungsarmee gilt als die größte militärische Leistung Che Guevaras. Che gewann die Schlacht und ebnete somit den Weg in die Hauptstadt Havanna.
Bis zum 01. Januar 1959, als Batista aus Kuba ins Exil floh und der zweijährige Guerillakrieg (durch Che in Santa Clara) gewonnen wurde, war Guevara ein zentraler Anführer in der kubanischen Revolution.

Historische Stadt Santa Clara

Nun weißt du schon mal warum die Stadt historisch gesehen so wichtig ist 🙂 . Aber auch heute noch hält der Ort Santa Clara einiges zu entdecken bereit.

Von der zentralen Busstation erreichst du fußläufig in circa 15 Minuten das Zentrum des Ortes (auch wenn die Jineteros (also die Schlepper) behaupten das es 5 km wären und du unbedingt bei ihnen mitfahren musst: es sind 1-2 km je nachdem wo du hin magst 😉 ). Wir sind gelaufen und haben es nicht bereut.

Da wir erst Nachmittags ankamen, suchten wir uns für eine Nacht eine Unterkunft mittig, zwischen Busbahnhof und Parque Leoncio Vidal. Somit waren wir nämlich in einer Art Dreieck zum Monument Museum & Grabmal „Che’s“ und haben von unserer Casa Partikular aus nur circa 10 Minuten überall hin gebraucht. Die Casa war in Ordnung, aber nicht der Renner 😉 für verhandelte 15 CUC die Nacht waren wir aber zufrieden, da wir ja eh nicht lange geblieben sind.

Hostal Villa Cristal, Prolongacion de Independencia 260 e/ San Pedro y Juan Artiles, 50100 Santa Clara – Kuba
Email: mcris[at]nauta.cu oder mcrisboris[at]gmail.com
Telefon (für den Anruf der Casa-Mama): 0053 52833754 oder 0053 42229214

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Plaza de la Revolucíon & Monument Guevaras

Gleich am nächsten Morgen ging die Reise in die Vergangenheit los und der Plaza de la Revolucíon mit dem Monumento Memorial Che Guevara stand als Erstes auf der Liste.
Auf diesem riesigen Platz thront neben großen Steintafeln die mächtige, sechs Meter hohe Bronzestatue Che Guevaras.

Sofort sticht einem sein eingegipster Arm und die Armschlinge um den Hals ins Auge. Diesen hatte er sich bei der entscheidenden Schlacht in Santa Clara gebrochen. Mit Gewehr in der anderen Hand und starkem Blick, schaut er in die Richtung eines (aus seiner Vorstellung) künftig vereinten Südamerikas.

Auf den hohen Steintafeln neben ihm kann man spanische Zitate und Niederschriften Che’s lesen.
Hinter dem Monument befindet sich der Eingang des Museums. Der Eintritt ist frei, du darfst aber keine Tasche oder Getränke mitnehmen. Diese kannst du kostenfrei an einem Schalter lagern.

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Museum Ernesto Guevaras

Das kleine Museum ist mit allerlei persönlichen Dingen aus Che’s Leben ausgestattet. Angefangen von Kindheitszeugnissen aus der Schule (seine Noten waren nicht unbedingt die besten 😉 ), bis hin zu persönlichen Briefen an seine Tante Beatrix.

Neben persönlich benutzten Gegenständen, wie zum Beispiel seinen auf Reisen genutzten Inhalator gegen die schlimmen Asthmaschübe, findet man in der Ausstellung auch viele private Fotos die während seines Lebens entstanden sind.
Was ich total interessant fand und bis heute nicht verstehe: Che hatte ein deutschsprachiges Tagebuch/Kalender… wie er da wohl dran kam?? 🙂 🙂 🙂

Guevaras Mausoleum und die ewige Flamme

Nun etwas was du unbedingt bei deinem Besuch beachten musst und wir verpasst haben!
Ich habe es erst realisiert als wir bereits im Bus saßen und aus Santa Clara wegfuhren. Denn neben unserem Reiseführer von Marco Polo, las ich natürlich auch Reiseblogs um vor Ort nichts zu verpassen. In dem gelesenen Beitrag hieß es, dass das Mausoleum hinter der Statue und gegenüber vom Museum ist. Leider war der Beitrag falsch!
Richtig ist, dass dies ein Gedenkraum für Che und seine „compañeros“ ist. Auf Steintafeln und mit Blumen geschmückt sind hierbei die Bildnisse verewigt. Auch eine kleine Flamme brennt in diesem Raum. Doch dies ist nicht das Mausoleum! Was hab ich mich geärgert 🙁 !

Das Mausoleum Che Guevaras befindet sich gegenüber vom Museum, aber dazu musst du die Straße überqueren! 😉
In einem extra Gebäude haben die sterblichen Überreste von El Comandante hier ihre Ruhe gefunden.
Die große Flamme, welche Fidel Castro zu Ehren seines treuen Freundes entzündet hat und die bis heute brennt ist auch auf dieser Straßenseite.

Wir haben diesen besonderen Ort, obwohl wir so nah dran waren, leider verpasst weil wir uns auf falsche Informationen in einem Blog verlassen haben. Wenn ihr euch nicht sicher seid, dann fragt vor Ort lieber nochmal nach. Es wäre zu schade. 🙁
Der Ausflug in die Vergangenheit war trotzdem eindrucksvoll und wir blieben auf den Spuren Che Guevaras und der Geschichte Kubas.

Parque Leoncio Vidal

Auf dem Weg zurück ins Zentrum von Santa Clara kamen wir zum Parque Leoncio Vidal. Doch dieser Park ist nicht nur Wifi-Treffpunkt und gut gepflegte Grünanlage wie so viele anderen Parks in Kuba.
Denn hier fällt ein Gebäude am Park besonders ins Auge. Ein türkis-grüner „Plattenbau“ der im ersten Moment die Szenerie der ganzen anderen romantischen Gebäude drum herum zerstört.
Ein junger Kubaner setzt sich zu uns auf die Parkbank und erklärt uns was es mit dem Gebäude auf sich hat. Blickt man nämlich am Hochhaus hinauf entdeckt man viele große und kleine Einschusslöcher. Dieses ehemalige Regierungsgebäude ist als eines der wenigen von der Schlacht um Santa Clara stehen geblieben und zeugt noch heute von dem gewaltsamen Befreiungsschlag des Landes.

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Der historische Zug der Schlacht

Doch nicht nur das Gebäude ist ein Zeitzeuge des Triumphs der kubanischen Revolution.
Auch den Zug, welchen Che Guevara persönlich in der entschiedenen Schlacht vom 29. Dezember 1958 abgeschossen hat, kann noch heute besichtigt werden (Eintritt kostet 1 CUC p.P.; man kann die Züge aber auch vom Gehweg sehen, ohne etwas zu zahlen 😉 ).

Monumento a la toma al tren blindado, Avenida Liberación, Santa Clara 50100 – Kuba

Spaziert man von den Ruinen der Wagons noch ein Stückchen weiter, entdeckt man am Wegesrand die berühmte Statue Che con niño. Mal sehen ob du alle kleinen Besonderheiten die auf Che herumklettern entdecken wirst. 😉

Entdecke das gegenwärtige Santa Clara

Auf dem Rückweg ins Zentrum, bzw. zu unserer Unterkunft und dem Busbahnhof streunen wir durch die verschachtelten Gassen des Ortes und essen lecker und günstig mit den Einheimischen. Durch Zufall entdecken wir noch eine wunderschöne alte Apotheke ganz nahe am Zentrums Park, welche viel schöner als die in Havanna ist und sogar regen Betrieb hatte.

e/ Luis Estevez y Boulevard en frente del Parque de las Arcadas ó Bar Europa

Mit einem besseren geschichtlichen Verständnis und vielen tollen Eindrücken geht die Reise für uns weiter. Der Abstecher nach Santa Clara hat sich wirklich gelohnt! 🙂

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Puh, also eigentlich dachte ich, dass dieser Beitrag kurz und knackig wird. Aber es ist doch einiges zusammen gekommen 😉 Wie schon gesagt: es gäbe noch einiges mehr über Kubas Geschichte, Che Guevara oder die Castro-Familie und Jose Marti zu erzählen. Wenn dich das interessiert solltest du es unbedingt vertiefen und selbst recherchieren. Die Zeit der Revolution ist noch nicht allzu lange her und dein Wissen über das Geschehene gibt dir ein Gespür für viele Menschen und Strukturen auf Kuba. Ich wünsche dir viel Spass auf den Spuren Che’s und happy travels!

Sincerely-me
Isi

 

Kennst du eigentlich schon meine anderen Beiträge über unsere individuelle Kuba Rundreise? 🙂

 


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**Geschichtliche Quellen für diesen Artikel stammen aus Wikipedia und von dem „Museo Ernesto Guevara“ in Santa Clara-Kuba.

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